2017-06-18

WEEKLY LAGRANDE

Ich bin noch gar nicht durch, aber kann es jetzt schon empfehlen: "Das antikapitalistische Buch der Mode" von Tansy E. Hoskins. Hoskins erklärt die Riesen der Modebranche, das Phänomen Fast Fashion, die Arbeitsbedingungen der Arbeiter*innen und die Macht von Kapitalismus und Marketing. Spannend fand ich schon die Einleitung. Hoskins schreibt nämlich, dass sie selbst ein Opfer der Modeindustrie ist, dass sie selbst viel konsumiert und gerne shoppt und ihr schlechtes Gewissen aber mit der Recherche immer größer wurde. Sie hebt viele wichtige Aspekte heraus - zum Beispiel, dass Primark nicht der einzige böse Player am Markt ist und sogenannte High Fashion teilweise unter den gleichen furchtbaren Bedingungen entsteht wie das T-Shirt für drei Euro. Sehr spannend und ein toller Einblick für alle, die sich dafür interessieren (und das sollten ja leider Gottes eigentlich alle sein, die Kleidung konsumieren).

Wer mir schon länger folgt, weiß, dass ich gemeinsam mit Schauspielerin und Sängerin Denise M'Baye einen Podcast mache: Die kleine schwarze Chaospraxis. Nach meinem Urlaub haben wir jetzt endlich eine neue Folge aufgenommen, die ihr hier findet. In Kürze wird sie auch bei SoundCloud zu hören sein. Nun habe ich gesehen, dass es auch Leute gibt, die ihre Podcasts bei YouTube hochladen. Ist das wichtig? Muss man das machen? Braucht das jemand? Wär jetzt auch kein großes Ding. Für die neue Folge muss ich eine Triggerwarnung aussprechen: Ich las ein Buch, in dem es u.a. um Kindstod ging und wir sprechen zu Beginn der Folge kurz drüber. Keine Angst - der Rest ist dann doch recht fröhlich.

Ich weiß nicht, wie viele Dokus über die Warschauer Straße ich schon gesehen habe. Zu viele waren es auf jeden Fall. Juliane Schiemenz aber schreibt nicht über die Brücke, sondern über einen Baum. Den Baum der Warschauer Straße. Und was er alles aushalten muss. Ein schönes Pflanzenporträt.

Einige FDPler wollen eine Männergruppe gründen, mit der sie gegen Genderideologie kämpfen wollen. Lol.

Lucie schreibt darüber, dass sie verlernt hat zu lesen und ich habe den Artikel zuerst nur überflogen. Haha. Mir geht es im Alltag genau so. Als ich im Urlaub Zeit hatte, quasi jeden Tag ein neues Buch zu beginnen (God bless my kindle), habe ich das sehr genossen. Das soll nicht heißen, dass der Konsum von TV, Netflix, Filme und mein Smartphone nicht auch wertvoll ist, aber ich genieße das Lesen einfach so sehr. Ich bin außerdem ein sehr großer Zeitschriften-Junkie. Ich liebe gut gemachte Print-Produkte - weshalb ich auch glaube, dass Print niemals sterben wird, wenn er nur ansprechend ist. Aber ich finde, vor allem natürlich mit Kind, nicht mehr die Geduld, alles intensiv zu lesen. Und, vor allem, danach auch noch darüber nachzudenken, was ich gerade gelesen habe. Ich merke außerdem, dass ich während einer Phase, in der ich viel lesen kann, sehr viel mehr kreativer bin. Meine Kreativität nährt sich vom Lesen anderer Werke. Umso mehr brauche ich diese Zeitfenster, in denen ich mich wirklich wieder auf Bücher und lange Artikel einlassen kann. Auf jeden Fall ist dieses Thema Stoff genug für einen ganzen Blogartikel, den Lucie sehr gut formuliert hat.

Apropos Lesen - hier gibt's eine tolle Kurzgeschichte auf Englisch von Samantha Hunt. Auch als Audio-File.

Mädchen und junge Frauen können sich sowohl für Glitzernagellack als auch für Politik interessieren? Selbstverständlich, schreibt Ana Grujić, warum auch nicht. Das scheint aber für viele andere immer noch sehr überraschend zu sein, wie die Reaktionen auf das Ranking der beliebtesten Artikel der amerikanischen Teen Vogue zeigen.

Ich habe diesen Artikel schon vor einiger Zeit auf Twitter empfohlen, aber da ich ihn so toll finde, hier noch einmal: Alexa Hennig von Lange und Marcus Jauer schreiben über's Paarsein und -bleiben. Darüber, wie scheinbar alles funktioniert, man sich aber trotzdem manchmal verliert. Wie ihre vorherigen Beziehungen kaputtgegangen sind und was sie daraus gelernt haben. In diesem Zusammenhang lernte ich auf Twitter, was "mental load" ist. Spannend! Das Nuf hat ebenfalls einen guten Artikel dazu geschrieben.

Claire Cain Miller schreibt darüber, wie wir unsere Söhne feministisch erziehen können. So ein wichtiges Thema und so toll illustriert von Agnes Lee. Auch für Eltern von Töchtern sehr lesenswert.

ahoi e.V. steht für „Arm- und Handoperations-Interessengemeinschaft“. René Schaar, hauptberuflich Cutter beim NDR, ist dort Mitglied und hat ein tolles Video darüber gemacht, wie es ist, mit einer Handfehlbildung zu leben. Sehr sehenswert!

Ein persönlicher Gag zum Schluss. Ich fand dieses Foto meiner Mutter mit mir auf dem Wickeltisch. Und dachte, wenn man es drauf anlegt, sehen wir uns unfassbar ähnlich. Gedacht, getan. Den Pulli und die Brille habe ich extra an dem Tag benutzt. Man muss aber sagen, dass ich die Brille durchaus auch anderen Tagen trage. Geschichte wiederholt sich. Nur, dass ich keinen Stern im Gesicht kleben hatte. Komisch.

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